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ls kleine Überraschung habe ich für Euch die letzten achtzig Jahre vor der Auswanderung der Ahneltern Vörding und
Janning im Jahre 1851 im Zeitraffer zusammengetragen. Ich möchte von den Besitzern des Stammhauses Vörding, von den Berufen
der Bewohner und von einem Dokument berichten, das ich am 12. Januar 1989 im Besitz eines Bekannten durch Zufall gefunden
habe.
Der 1724 in Osterwick geborene Albert Klostermann kaufte mit seiner
Frau Gertrud Hummers vor jetzt 219 Jahren am 23. Mai 1770 das kleine Haus Dorf Nr. 60 hinter unserer alten
Dorfkirche für 150 Reichstaler vom Erbdrosten Vischering zu Darfeld. Als selbständiger Schuhmacher mit einem kleinen
landwirtschaftlichen Nebenerwerb verdiente er den Lebensunterhalt für seine Familie. Von den drei Kindern des Ehepaares
wurde der 1755 geborene Albert Erbe des Elternhauses. Er heiratete am 19. Juni 1779 Anna Maria Grimmels
aus Groß Reken, 23 km von Osterwick entfernt. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Er ernährte seine Familie wie
sein Vater als Schuhmacher in seiner eigenen Werkstatt und durch die kleine Landwirtschaft. Von den vier Kindern wurde
der 1784 geborene Albert wie der Vater und Großvater Schuhmacher und erbte später das Elternhaus. Den gleichen Beruf
ergriff der 1780 als erstes Kind geborene Joan Heinrich, der unverheiratet in der elterlichen Werkstatt arbeitete.
Die Eltern Albert Klostermann und seine Frau Anna Maria Grimmels dankten es dem treu sorgenden
Sohn Joan Heinrich, indem sie ihm in einem notariellen Vertrag vom 6. Februar 1807, einen Tag vor der Heirat
des Erben Albert, ein lebenslanges Wohnrecht im Elternhaus einräumten.
Der Erbe Albert heiratete am 7. Februar 1807 Maria Janning, die am
18. September 1776 in Wettringen, Dorfbauerschaft Nr. 46a, 27 km von Osterwick, geboren wurde. Aus dieser
Ehe gingen vier Kinder hervor, die alle als Kleinkinder starben. Aus diesem Grunde vereinbarten die Eheleute am 10. Februar
1832 in einem Erbvertrag, daß die zwölfjährige Nichte Maria Anna Janning, die am 6. Oktober 1820 in dem
gleichen kleinen Fachwerkhaus wie ihre Tante in Wettringen, Dorfbauerschaft Nr. 46a, geboren wurde, das Anwesen in
Osterwick, Dorf Nr. 60, mit den dazugehörigen Ländereien übernehmen sollte.
Es ist zu vermuten, daß der 1818 geborene Heinrich Vörding
als Schustergeselle in der Werkstatt Klostermann arbeitete und sich mit Maria Anna Janning
ein Verhältnis anbahnte. Nach dem Tod des 58jährigen Albert Klostermann am 1. Oktober 1842 wurde
Heinrich Vörding als ihr Bräutigam ein halbes Jahr vor der Heirat mit 24 Jahren durch einen Vertrag vom
15. Dezember 1842 Miteigentümer des Anwesens Dorf Nr. 60. Maria Klostermann behielt sich jedoch das
Nießbrauchsrecht bis zu ihrem Lebensende vor. Mit 25 Jahren heiratete der Schuhmacher Heinrich Vörding
am 19. Mai 1843 die 23jährige Maria Anna Janning. Aus dieser Ehe
gingen acht Kinder hervor, von denen drei in Osterwick, Dorf Nr. 60, geboren wurden und fünf in Amerika zur Welt
kamen. Der ledige Bruder des verstorbenen Schwiegervaters Joan Heinrich Klostermann stand Heinrich Vörding
in der Werkstatt und in der kleinen Landwirtschaft zur Seite. Nachdem die Schwiegermutter Maria Janning am
8. Februar 1848 mit 72 Jahren gestorben war, erlosch ihr Nießbrauchsrecht. Jetzt stand noch das im Grundbuch
eingetragene Wohnrecht bis zum Lebensende für Joan Heinrich Klostermann einer Auswanderung im Wege.
Nach zwei Jahren der Vorbereitung für die Auswanderung wurden im
Mai 1851 die Weichen gestellt. An sechs verschiedene Interessenten wurden die Acker- und Weidegrundstücke verkauft.
Die 7 Morgen 126 Quadratruten und 86 Quadratfuß erbrachten insgesamt 710 Taler. Das Haus mit
6 Quadratruten 40 Quadratfuß erbrachte 221 Taler. Der notarielle Verkauf der Ländereien und des Hauses erfolgte
am 22. Mai 1851. Am gleichen Tag wurde auch das Problem des Dauerwohnrechtes des über 70 Jahre alten
Joan Heinrich Klostermann gelöst. In dem von mir gefundenen Dokument, das von dem königlich preußischen
Justizrat und Notar Peter von Hamm beurkundet wurde, steht folgender Inhalt:
Vor dem Notar erschienen
1. der Schuster Bernard Heinrich Vörding,
2. der Schuster Heinrich Klostermann, des Schreibens unkundig,
3. der Weber Heinrich Mersmann, Dorf Nr. 63.
Der in der Nachbarschaft wohnende Heinrich Mersmann war mit Heinrich Vörding handelseinig geworden,
Heinrich Klostermann lebenslänglich in Wohnung, Kost, Kleidung, Wäsche und sonstigen Bedürfnissen in gesunden und
kranken Tagen zu unterhalten. Als Gegenleistung bekam Heinrich Mersmann von Heinrich Vörding eine achtjährige
schwarzbunte Kuh, ein vollständiges Bett, das auch schon im Haus Dorf Nr. 60 Eigentum von Heinrich Klostermann
war, und ein Schwein, das Heinrich Vörding noch im Stall hatte, ebenso einen Kirchensitz für den Onkel nach der
Westseite. Heinrich Vörding trat sein Pachtrecht an den vom Grafen
Droste Vischering gepachteten Grundstücken mit den darauf befindlichen Feldfrüchten an Heinrich Mersmann ab.
Außerdem zahlte er ihm noch 85 Taler, um die ausgehandelten Ansprüche zu erfüllen. Heinrich Klostermann
verzichtete auf das im Grundbuch eingetragene Wohnrecht auf Lebenszeit. Am 1. Juni 1851 wurde er in die Familie
Mersmann, Dorf Nr. 63, aufgenommen.
Der Weg nah Amerika war für die vierköpfige Familie Heinrich Vördings
geebnet. Der Zeitpunkt der Auswanderung muß daher zwischen dem 22. Mai und 1. Juni 1851 liegen. Die insgesamt
931 Taler Verkaufserlös aus den Immobilien, abzüglich der finanziellen Verpflichtungen, die nötig waren für den
neuen Anfang, waren sicher ein gutes Startkapital in Amerika. Als Wertmesser sei erwähnt, daß eine Schiffspassage
in die neue Welt pro Kopf 17 Taler betrug.
Es sei noch bemerkt, daß die Familie des Webers Heinrich Mersmann
Heinrich Klostermann nur dreieinhalb Jahre in ihrer Obhut hatte. Er starb am 21. November 1854 im Alter von
74 Jahren. Die Familie Klostermann war mit ihm in Osterwick ausgestorben.
Ich hoffe, daß mir der Zufall noch weitere Dokumente Eurer Ahneltern
in die Hände spielt. Unser Gastgeschenk an Euch alle ist die bisherige zeitraubende Forschungsarbeit über die Familie
Janning in Wettringen und das Versprechen, daß ich als Archivar der Gemeinde Rosendahl sehr aufmerksam bin, weitere
Informationen zur Familiengeschichte zu finden und auszuwerten.
In verwandtschaftlicher Verbundenheit
Euer
Martin Holz
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