Duelm, Benton Co. MN, den 8. Oktober 1886
Lieber Bruder Schwägerin u. Neffe! Eure Trauernachricht ist mir vor 2 Tagen
eingehändigt worden, und ich weiß kaum was ich sagen soll, was sollte es vor [unleserlich]
geträumt haben, denn als ich [unleserlich] war, und er mit mir hier, war er recht gesund. Aber
der liebe Gott hat es so gewollt, und daß beste ist sich seinem heiligen Willen zu ergeben.
Ich kann euch sagen es ist traurig für uns und es ist das um so mehr für euch, denn er ist
nicht zu ersetzen. Ich weiß kaum Worte zu finden um nicht zu verzweifeln, immer muß ich an ihn
denken, ich meine, ich sähe ihn noch immer unter euch. Liebe Franziska, wie soll ich dich
trösten, und auch lieber Wilhelm, mit was soll ich dich trösten, es ist das härteste was euch
jetzt treffen konnte, aber Gott hat es gewollt. Zwar hast du liebe Franziska, noch einen guten
Verwalter zur Hand in Bernard, aber ich weiß, der Verlust deines Ehegatten ist hart. Und du
lieber Wilhelm, bist freilich noch zu jung, den lieben Vater zu verlieren, jedoch auch schon
wieder alt genug zu unterscheiden was wohl und gut für dich ist, so sei denn folgsam deiner
Mutter und Onkel Bernard, du wirst bald zu einem Mann heranwachsen, und ich möchte dir hierbei
den Rat geben, immer den Willen und die Zurechtweisung deiner Mutter zu folgen, denn ihr Wunsch
und Wille ist nichts anderes als auch der Wille deines seligen Vaters, obschon er leider nicht
mehr persönlich dich zurechtweisen und gute Ermahnungen geben kann. Ich hoffe jedoch, daß meine
Ermahnungen unnötig sein werden, weil ich erwarte, daß du dich schon ohnedem gut und brav
betragen wirst. Noch eines möchte ich dir sagen, laß dir von fremden Leuten nichts aufzwingen
oder vorschwätzen, was und wer es auch nur immer sein mag, denn das tut niemals gut. Deine
liebe Mutter meint es doch nur am besten mit dir. [unleserlich] auch nicht selbst einsehen, so
glaube es mir, daß die Mutter nur dein Bestes sucht, andere Leute nur zu leicht ihren eigenen
Nutzen oder auch Schadenfreude darin suchen. Mit welchen Worten kann ich euch und uns trösten,
wir wissen der liebe Gott hat es so gewollt, möge er ruhen in Frieden. Wir haben letzten Monat
eine heilige Messe hier für ihn lesen lassen, auch du lieber Wilhelm, bete fleißig für ihn,
denn das Gebet eines guten Kindes bleibt nicht unerhört. Ich habe diesen Brief schon am 8ten
angefangen, und heute am 20ten vollendet, ich mußte verreisen um Waren zu kaufen, und hier
waren wir eine Woche mit Dreschen beschäftigt, daher die Verzögerung und der Bitte zu
entschuldigen. Schreibe bald wieder und ich möchte doch gerne alles über sein letztes Ende
erfahren, was er gesagt hat, ob er auch eingesehen hat, daß er sterben mußte. Sag alles wie
ihr es wißt, und mit traurigem und betrübten [unleserlich] grüßt euch alle bestens
Clemens, Diena und Kinder
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