Newburg, Wis. den 6 April 1875
 
 
Lieber Vater Brüder u. Schwägerin!

Eurer lieber Brief vom 18ten Januar habe ich mit Freude und in der besten Gesundheit erhalten und hoffe, daß auch euch dieser Brief in der besten Gesundheit finden wird. Ich hätte schon längst eher geschrieben, aber ich hatte nicht eher die Gelegenheit, auch das Welzkorn zu schicken, denn wo ich diesen Winter gearbeitet habe, hatten die Leute kein Welzkorn. Ich habe dort diesen Winter $ 1010 Dollar und 85 Cent verdient, und weil dort im Sommer kein so guter Verdienst zu machen ist, als im Winter, so bin ich wieder zurück gereist nach Newburg und bin hier am 3ten April wieder angekommen. Hierbei muß ich bemerken, daß es hier nicht die Mode ist, daß einer immer so auf einen Platz bleibt wo er ist, da wird immer gereist von einem Platz zum andern, oft von einem Staat zum andern, bald hier bald dort, ob ich noch bei Newburg bleibe diesen Sommer weiß ich auch noch nicht. Ich schreibe euch auch immer, was ich verdiene und ihr denkt deshalb da müßte ich bald reich sein, wohl, aber doch nicht alles kann man davon auf Zinsen legen [.] die Kleider kosten hier auch ziemlich viel, und überhaupt ist hier alles teurer als bei euch z. B. ein paar Sonntags Stiefel kosten hier ungefähr 8-10 Dollar und auch das reisen hin und her kostet ziemlich viel, aber da ist es auch feiner als auf deutsche Eisenbahnen, die Wagen sind noch feiner als bei euch [.] die erste Klasse hier ist es nur eine Klasse alles erste Klasse, hier fahren sowohl die Herren als die niederen Klassenleute in ein und dieselbe Klasse, denn hier in diesem Lande ist der arme so viel wie der reiche, weil es ein freies Land ist, hier ist es nicht üblich, das ein geringer Mann, wenn er zu einem feinen Herrn geht, gleich den Hut unterm Arm tragen muß, wenn auch einer zum Präsident von den vereinigten Staaten geht, der nimmt aber den Hut nicht ab. Auch habe ich nicht eher [!?] geschrieben, weil ich erst gern wissen wollte, wie ich beim Konsul fertig wurde, und ich konnte nicht eher zu dem gehen, bis ich wieder nach Newburg kam, denn hier bin ich nur 30 Meilen (10 Stunden) von Milwaukee, wo der Konsul wohnt, und wo ich diesen Winter war, war ich über 200 Meilen davon und schicke es jetzt auch mit diesem Brief fort an den Amtmann. Als ich den Konsul fragte, was es mir kostete, sagte er mir, ich wäre ein alter Soldat und von denen nähme er nichts, er wäre auch Soldat gewesen. Nun vom Welzkorn. Das müßt ihr pflanzen gleich nach den 10 Mai, ich denke eher dürft ihr es nicht pflanzen, weil er auch gern verfriert, ich glaube, ich hatte auch geschrieben ihr solltet es ungefähr mit den Buchweizen pflanzen, aber ich denke, das ist ein wenig zu spät, nämlich daß es im Herbst nicht reif wird, auch müßt ihr es pflanzen wo es recht heiß steht, ja nicht wo es im Schatten steht, es wird ihm nicht leicht zu heiß und trocken. Pflanzt es ja nicht zu dicht, wenn ihr es vollkommen 3 Fuß von allen Seiten auseinander setzt ist besser, als unter 3 Fuß. Auch nicht tief gepflanzt, nur das es aber mit Grund [eingefügt:] Schreibet mir doch auch mal ob es auch noch was kostet, ich habe es hier frei gemacht, bedeckt ist das ist genug, und 3 Körner legt ihr in einem Loch nicht über 4 wenigstens, sonst steht er zu dick, auch müßt ihr es gut pflanzen, daß es ja rein steht, und überhaupt so anharken wie ich euch schon früher geschrieben habe, und nur acht geben, das ja keine Blätter beim anharken in der Erde zugescharrt werden, sonst ist das gute Wachstum gleich von der Pflanze, und nicht einharken und putzen wenn es naß ist, dann wird es gelb. Die Sträucher werden hier ungefähr so lang wie ich groß bin, und noch wohl 1-2 Fuß länger. Blühen tut es ganz oben, aber die Frucht wächst ungefähr 2-3 Fuß hoch von der Erde. Wenn das Korn oben an den Sträuchern [unleserlich] würde es von seiner eigenen Schwere zusammen brechen. Die Kolben, wie man sie hier nennt, wachsen in der Form wie der End hier in der Pfefferdose, aber einige werden wohl 1 Fuß lang und länger, einige auch nur 6 Zoll. Das was an den Kolben in der Dose sitzt, ist zwölfreihiges das heißt rund herum gezählt wie ihr auch sehen werdet. Das was oben in der Dose lose liegt, ist achtreihiges, und ich glaube, daß es vollkommen so frühreif ist als das zwölfreihige. Die Farben machen kein Unterschied, das schwarze ist so gut wie das weiße und gelbe. Jetzt habe ich es auch ziemlich klar gemacht, und wenn ihr noch einige Auskunft bedürft, so müßt ihr mir es im Brief bemerken. Wie ich aus eurem Brief gesehen habe, wollt ihr diesen Sommer das Haus neu bauen, was soll ich darüber sagen, nur frisch dran und gut gemacht, wenn's einmal fertig ist, läßt sich nicht viel mehr ändern, und müßt denken daß ihr es nur einmal [bauen ?]. [hier auf dem Kopf stehend nachgeschrieben:] Auch muß ich noch aber bemerken, daß Ludwig [Esselmann] bei 2 Schweinen 18 junge Ferkel hat und die 3te kriegt die ersten Tage welche. Grüßt von mir eure Zimmer- und Maurermeister B. U. und H. S. Auch grüßt von mir die Familie Struffert, wie auch Theodor Schultebein und [Heinrich] Bünger aus Dernekamp, und saget ihr ich hätte ihre Briefe erhalten. Wie ich von [Gerhard Heinrich] Winkelmann aus Minnesota erfahren habe, so ist sein Vetter Franz Brambrink willens, nach Amerika zu kommen. Schreibt mir mal, ob daß so ist. Wie er mir geschrieben hat, sei Franz Brambrink willens schon im März oder April abzureisen. Auch Theodor Vogt in Dubuyne ist noch recht gesund, ich habe vorgestern noch einen Brief von ihm erhalten. Er hat eine Gast- und Schankwirtschaft mit einem anderen in Kompanie. Noch eines hätte ich beinah vergessen: Hier in dem Welzkorn pflanzen sie Kürbis, aber nicht viel, der Samen wird mit dem Welzkorn zur gleichen Zeit gepflanzt, aber nicht in jedem Loch, vielleicht aus 2ten oder 3ten Loch ein oder 2 Körner. Die Kürbisse sind hier ein famoses Futter für die Kühe, sie melken sich so gut da nach. Die Kürbisse werden roh gefüttert, ich hab einige Körner mit hinzugelegt, wenn ihr es mal versuchen wollt. Bernard Hünck wie auch Ludwig [Esselmann] und Gertrud [Esselmann] nebst ihren 5 Kindern sind noch recht gesund, sie lassen auch vielmals grüßen. Ludwig [Esselmann] hat sich jetzt 2 junge Pferde 2 Schimmel gekauft, eines 4 Jahr eines 2 Jahr und kosten zusammen $ 2010 Dollar. Auch die besten Grüße von die übrigen Esselmänner mit ihren Familien. Weil es das Papier nicht mehr erlaubt, so muß ich mein Schreiben schließen, unter vielen herzlichen

Grüßen an euch allen, wie auch an Verwandte u. Bekannte von eurem Sohn Bruder und Schwager Clemens.
Schreibt bald wieder.

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Last modified: June 17, 2005
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