Duelm, Benton Co. MN, den 2. Feb. 1900
 
 
To Wilhelm Diekämper Merfeld

In reply to yours of Jan 15th Deinen lieben Brief vorgestern am 31 Jan. erhalten. Es freut uns zu erfahren, das ihr alle noch gesund seid, so auch wir. Auch besonders was für April in Aussicht steht, hat mich überrascht. Ich dachte noch früh genug zu kommen, um etwa Taufpate zu werden, wie ich ja wohl in ein wenig weitreichenden Worten andeutete in meinem letzten Brief. Das ich überhaupt mit die Brünners Gesellschaft von hier reisen wollte, hatte ich schon vor meinem Brief nicht darauf gerechnet, wohl aber um mich in Rotterdam oder Paris ihm anzuschließen. Ich schrieb nur so an euch, um mal zu erfahren, wie der Wind wohl weht für dich, die Reise mit uns zu machen. Ich wollte schon erst zu euch kommen, da ich doch all unser Gepäck nicht die ganze Reise mitnehmen wollte. Ich war so willens Anfangs May abzureisen, könnte aber auch wohl schon etwas früher reisen, aber bis May [unleserlich] es bald, das wir mit dem sähen fertig sind, aber das kann auch wohl ohne mir geschehen, denn helfen tue ich doch nichts, wohl zusehen, das alles recht wird. Ich habe heute an Herrn Dienslage geschrieben, um seine Reiseprospekte. Wundere, ob man da auch mit einem gewissen Zuge und Gesellschaft die Reise machen muß, oder ob man in irgend einem Platz absteigen kann um zu verweilen oder nicht. Möchte gerne fahren, wie es mir paßt, nicht wie denen es paßt. Aber was habe ich da gesagt von Taufpate, da müßt ihr mir verzeihen, da bin ich ja nicht an der Reihe, und würde ja da deine Eltern zuvorkommen mit unverschämte Ideen, also ab davon, wir werden kommen so früh als wir können, um dir die beste möglichste Gelegenheit zu geben, die Süddeutsche Reise mit uns zu machen. Du schreibst, daß deine liebe Frau sage, du möchtest "Malheur" bekommen, wenn du 3-4 Wochen fort gehest, was soll denn da meine Frau sagen, wenn ich 3-4 Monate fort gehe, da ist ja viel mehr Zeit und Gelegenheit, um "Malheur" zu bekommen. Malheur kann man im "Bett" auch bekommen, aber da muß und kann man nicht mit rechnen, ein Unglück ("Malheur") kann man ja überall bekommen, das müssen wir dem lieben Gott anheim stellen. Das der Vater sagt, daß das zu viel kostet, kann ich mir schon denken, aber ihr habet ja auch Geld genug um so eine kleine Reise zu machen, wenn wir tot sind, kann man es [Geld] auch nicht mehr gebrauchen, es sei denn, man könne sich den Himmel dafür kaufen, aber es scheint, niemand kriegt da viel um es mitzunehmen, weil der Gedanke ja auch eben "Torheit" wäre. Nun wir wollen mal erst warten, ob wir auch wirklich in den Himmel kommen, "der Mensch denkt und Gott lenkt."
Das Antoniusfest haben wir hier bei Anton Struffert [* Duelmen 1852 / 1867 ausgew.] gefeiert. Du schreibst von Anton Frerick mein alter Schulkollege, sein Name sei auf dem Kriegerdenkmal verzeichnet. Letzten Herbst war einer hier bei mir, der sagte, das Anton [Frerick] sein Nebenmann im Krieg gewesen sei, als er fiel. Dieser Mann heißt [Bernard Heinrich] Klaverkamp [* Drensteinfurt 1863 / 1889 ausgew.], er wohnt etwa 1 ½ Stunde von St. Cloud. Er sagte, beide Nebenmänner von ihm seien an seiner Seite gefallen.
Der Dülmener Anzeiger ist wenigstens in 3 Monaten nicht erschienen, auch nicht ein einziges mal, und somit nehme ich unbedingt an, das derselbe nicht abgesandt wurde wie gewöhnlich. Für einzelne Male möchte man das annehmen, aber nicht über 3 Monate an einem Stück, und um denn von selbst wieder regelmäßig zu werden. Lege den gewünschten Umschlag hier bei. Ich dachte halberlei, daß der Waisenfreund möchte bei euch ausgeblieben sein, daß das etwa die Ursache sein möchte, man verführet mich aber, das der noch immer seinen Glanz regelmäßig halte, und somit habe ich ruhig das weitere abgewartet.
Nun noch wegen die Reisekosten scheint mir aber auch teurer zu sein, das die 4 Tage mehr in Paris 55 Mark kosten soll, das wäre ja 11 Mark pro Tag Hotelkosten, wäre das nicht auch viel? Habe schon 2 Knechte für nächsten Sommer gedungen nur brauche ich noch einen guten Ladendiener das wird wohl am schlimmsten sein den zu finden. Fange aber jetzt noch heute abend an um an einen zu schreiben, die Zeit wird bald vergehen. Hiermit will ich für diesmal schließen und wünschen euch viel Glück zu dem bevorstehenden und wird hoffentlich alles gut verlaufen. Erwarte recht bald wieder von euch zu hören.

Clemens

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Last modified: September 24, 2005
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