Duelm, Benton Co. MN, den ? Okt. 1898
Lieber Wilhelm! Deinen Brief vom 25 Juni habe ich am 12ten Juli
erhalten. Nicht wahr, ihr habet geglaubt, es käme keine Antwort mehr. Es hat freilich schwer
gehalten, aber jetzt soll es doch endlich was werden. Hatte immer was anderes zu tun. Fürs erste
unseren besten Dank für die freundliche Einladung zur Hochzeit. Möchte dieselbe gern beiwohnen,
aber das ist sehr umständlich, besonders so, weil wir das Geschäft an die Hand haben, welches
man nicht so leicht andern anvertrauen kann. Ich möchte wohl mal gern meine ganze Familie meine
alte Heimat zeigen und auch das ihr euch mal einmal im Leben sehen tätet, und mit einander ein
wenig bekannt zu werden, aber da sind allerlei Hindernisse im Wege. Schreibe mir mal gleich
wieder, um welche Zeit die Hochzeit sein soll im Frühjahr. Wilhelm soll diesen Winter noch mal
die Hochschule besuchen, und ebenso soll Bertha eine Bildungsanstalt besuchen. Wilhelm geht in
einigen Tagen und Bertha etwa am 1. Nov. Das wird wohl bis zum 1ten Juni dauern. Ich weiß recht
nichts, wie wir damit fertig werden wollen, es sei denn, das sich die Gelegenheit besser bietet
als jetzt voraussichtlich ist, und ihr die Hochzeit euch zu früh in Aussicht gestellt habet.
Wie groß soll die Hochzeit wohl ungefähr werden? In Antwort zu deiner erstes Ankündigung vom
19 Juni will ich dir noch sagen: Hesker war etwa 10 Tage hier, und er hat seine Nichte Theresia
und Neffen Heinrich besucht wo ich ihn hinfuhr. Seine Adresse lege ich bei. Er ist auf die
Armfarm. Da haben es solche alte Leute besser als bei euch. Die müssen wohl jeder nach Kräften
arbeiten, werden dann aber vollständig mit allem nötigen versorgt, gutes Essen und die beste
Reinlichkeit. Es sind da große Gebäude und für die Armen, einfache Zimmer und Betten, aber
äußerst reinlich. Von seiner Religion kann ich nicht viel sagen, doch soviel hat er mir gesagt,
das wenn ein katholischer krank wird, kann er einen Priester haben, und kommt auch ab und zu
einer dorthin, der da die hl. Messe ließt. Na, wie hat denn die Mähmaschine gearbeitet? Nun,
den Verlauf des Krieges wirst du wohl gelesen haben, in den Dülmener Anzeiger kann man so schön
vernehmen, wie ihr Deutsche es mit uns halten, ich habe das nicht für schön gehalten, weil die
Deutschen sollten bedenken, wie viel von ihrem Überfluß an Bürger hier in America ein
Unterkommen haben, und hätte schon deshalb ein wenig Mitgefühl für uns hegen können, aber die
Vorliebe von Europa gegen Amerika ließ das wohl nicht zu. Ja, du hast Recht, das sich die
Spanier gut gewehrt haben, aber das war auch wohl ein leichtes, wenn solche in eine Festung
sitzen wie Santiago mit Cavera und einer Flotte im Hafen, mit einer Mündung so klein, das nur
1 großes Schiff zur gleichen Zeit, ein oder ausfahren kann, aber im übrigen haben die
Amerikaner den Spaniern mit samt dem Europa gezeigt wie sie so ganze Flotten der Spanien Armee
in den Abgrund fahren lassen, und das noch ohne große Verluste. Freilich, eine so gut geschulte
oder ein exerzierte Landarmee, wie ihr, haben wir nicht, und auch nicht nötig, so weit, aber zu
Wasser heißen wir auch den deutschen Michel willkommen, sollte der mal gegen seinen
Deutsch-Amerikaner auftreten wollen. Du sagst von Landung der Truppen zurückschlagen. Ha, was
die Spanier für landen hielten war ja nur blindes landen, um das eigentliche landen am
ausgelesenen Platz um so leichter zu machen. Dort sind wir nicht zurückgeschlagen worden. Du
berufst dich auf den Waisenfreund, jawohl der ist auch gut und hat meistens auch richtige
Ansichten, aber kann auch mal hie und da daneben greifen, und ist mitunter ein bißchen stark
einseitig. Ich schicke dir heute mal ein O. Fallen? Hausfreund zu, da kannst du sehen, was der
vom Waisenfreund hält. Nicht aber will ich hiermit sagen, das letzterer besser ist, o nein.
Dieser letztere war früher ein katholischer Hausfreund, denn hat er mal Fehler gemacht, worüber
der Waisenfreund sich beklagte, und mußte er aus dem kath. einen O. Fallen? Hausfreund machen,
er wird in O. Fallen? gedruckt. Alles ist auch noch nicht Unrecht, was der vom Weisenfreund
schreibt. Gut das der Krieg so weit beendigt ist, hoffentlich wird es lange so bleiben. Wilhelm
hätte wegen sein Fuß nicht Soldat werden brauchen. Soweit man aber nur Freiwillige im Krieg
haben will, und noch genug in Aussicht hat, falls noch welche gefehlt hätten. Es wundert mich
zu erfahren, das der selige Vikar Dierking nicht mehr Vermögen hinterlassen hat. Du schreibst
von W. P. wegen Rattenfieber, unser Pläsker hat sein Land verkauft, und ist nach Oregon gezogen,
nicht in nächster, aber doch sonst in die Gegend wo Heinrich Küdde ist, etwa 2000 engl. Meilen
von hier. Diesen Sommer ist Bernard Esselmann unser Stief- und Schwiegervater gestorben, und
auch sein Bruder Franz Esselmann an einem Mittwoch und Bernard Esselmann den folgend Mittwoch,
meine Frau war zum Begräbnis ihres Stiefvaters. Auch ist vor einer Woche dem Hermann Wesselman
seine Frau gestorben (Gertrud Edelbrock). Auch ersehe ich das ihr ein großartige Anbau gemacht
habt, konnten sich denn die Schweine wohl an solch feiner Wohnung gewöhnen? Es ist recht, wenn
man was macht soll's etwas Gutes sein. Hier jedoch werden wenig so köstliche Ställe gebaut. Wir
haben auch diesen Sommer, ein Stück am Laden gebaut. 16 Fuß lang und 38 breit. Dies macht das
ganze Gebäude etwas über 100 Fuß lang und 38 breit. Unser Laden ist jetzt 22 Fuß breit, und 62
Fuß lang, mit einem Nebenzimmer, oder teilweise Laden und teilweise Vorratszimmer, von 16 Fuß
breit gegen 48 Fuß lang. Schicke mit der heutigen Post ein Bild von dem Laden, welches euch
eine kleine Idee geben wird, wie es darin aussieht. Links hinter dem Glas Zigarrenkasten,
werdet ihr mich wohl erkennen, weiter links an der Wage steht Wilhelm, der einem Bauer ein
Sack Mehl verkauft hat, und andere Ware für ihn abwiegt. (Der Bauer ist unser Knecht
Gertrud Hünck ihr Sohn August [Esselmann] ) Zur Rechten sitzt meine Frau mit dem Rudolf auf dem
Schoß, und Clara auf einem Dreirad. Weiter zurück steht die Bertha, einem Mädchen in weißen
Kleid ein Kleidermuster zeigend. Noch weiter zurück steht unsere Magd Maria Winkelman, einen
kleinen Buben ein paar Schuhe zu verkaufen, und noch dahinter steht der Buttermacher, die Arme
ausstreckend sich ein paar Hosen anzumessen. In der Mitte hinten wo das kleine Fenster zu sehen
ist, ist das Postamtschalter und zu beiden Seiten sieht man die kleinen [Symbol für Kästchen],
wo man die Briefe hineinlegt, jedes Kästchen hat seine Nummer. Diese werden ver [unleserlich]
und sind mit Glas versehen, so das ein jeder selbst sehen kann, ob er was dort hat oder nicht,
ausgetragen werden nämlich hier auf dem Lande die Briefe nicht. Ganz links hinten beim Fenster
sitzt mein Buchhalter am Schreibtisch. Auf den Fußboden links stehen 3 Kisten, eine mit Eier,
eine mit Zitronen und eine mit Apfelsinen. An den Seiten sind die Bänke für die Waren an die
Wand aufgestellt, rechts für Ellenwaren, Kleider, Hüte u. Kappen, Schuhe und Kurzwaren, links
für Porzellan und Glaswaren, Spezereien und Kolonialwaren, Medizinen, Gebackenes und
Eingemachtes u.s.w., u.s.w. denn ist an beiden Seiten entlang eine sogenannte Tönelbank ?
mit einem etwa 3 Fuß breiten Gang zwischen letzten und die Bänke. Der mittlere Raum ist für
die Kunden bestimmt. In dem Vorratsraum tun wir die Waren nicht hinein, wenn sie ankommen und
halten zum Verkauf darin Mehl. Pferdegeschirr Farmgerätschaften, wie Gabeln, Spaten, Harken,
Hacken, Maschinen, Öle, Blechwaren und vieles andere allerlei gebräuchliche Sachen, und
Eisenwaren. Rechts auf dem Tönelbänken ?, hier Countirs genannt, stehen lange Glaskästen zum
vorzeigen von feineren Waren so wie Spitzen, seidenes Band, Damenhüte und Blumen. Links seht
ihr diese Counters mit [Symbol für Kästchen] abgeteilt, alle Schubladen sind zur Kundenseite
mit einem Glasende versehen, so das die Leute die darin befindlichen Waren sehen können. Der
erste links hat 20 solche Schubladen jedoch nur 12 ganze sichtbar. Auch stehen noch 14 Fuß
lange Bänke mit Waren in Kannen, Eingemachtes in Büchsen. Links, wovon nur ein kleines
Stückchen zu sehen ist so auch rechts, sieht man die volle Länge nicht bei volle 16 Fuß. Die
hellen Strahlen hinter den Lampen kommen von den 2 Hinterfenstern und das eine Seitenfenster.
Bei der kleinen Strahle ? links sind 2 Schinken zu sehen, und links gleich daneben hängt ein
Gerüst gefüllt mit Lampengläser. Die Türe links führt in das Vorratslager, und auch kann darin
ein Durstiger gelabet werden. Hinter die Türe die in der Nähe von Wilhelm zu bemerken ist. Die
Türe ganz hinten rechts führt ins Wohnhaus. Möchtet ihr mehr wissen, so möget ihr nur fragen,
oder besser noch selbst zu sehen kommen. Nächst auf dem Counter links steht der gläserne
Zigarrenkasten und nach dem ein Counter [Ladentisch] mit 25 Schubladen 10 große und 15 kleinere
und noch einer ohne Schubladen. Das andere Bild ist eine Ansicht von das Innere unserer Kirche,
oder ein Teil davon, wie ihr seht. Der Hochaltar mit den 2 Seitenaltärchen die Kommunionbank
und etliche Stühle, oder Bänke. Auch sieht man den Kronleuchter, mit 6 Lampen mehr in der Mitte
zu hängen, ein Geschenk von uns. Lege auch noch einige Bilder bei die wohl für sich selbst
sprechen, was und wer sie sind. Wie ihr die Bilder verteilen wollt, mögt ihr nach eurem
Gutachten entscheiden. Von den Laden möchten wir viel leicht eine Schankwirtschaft abzweigen,
welche hier angebracht sein wird. Hier können sich die bekannten Leute sehen, aufhalten und
verzehren. Ich hoffe, daß ihr es auch so denkt und für zweckmäßig haltet.
Die Ernte ist hier wieder ziemlich gut gewesen, wir haben diese Tage gedroschen 1107 Bus.
Weizen. 766 Bus. Hafer und 112 Bus. Roggen. Somit haben wir für 1 Jahr wieder zu essen.
Hoffentlich wird dieses alles nun mein langes Stillschweigen einigermaßen entschuldigen,
und ich hoffe, von euch diesmal schneller zu hören.
Viele Grüße an alle, die nach uns fragen,
besonders aber grüßt dich und deine Geliebte und nicht zu vergessen deine Eltern Euer wie immer
Clemens nebst Frau und Kinder.
Wie nur Carera sich eben aus dem Hafen
heraus wagte, da habe man leichtes Spiel mit ihm gemacht. Da hätte ihn die Königin auch wohl
gratulieren mögen als sie trat nachdem von Spaniern glücklich im Hafen angelangt war ohne vom
Feinde überfallen zu sein, eben für das ihn die Amerikaner so zuvorkommend behandelt haben,
denen die Spanier doch dem Namen Yänky-Schweine beigelegt hatten.
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