St. Paul, MN, den 19. Jan. 1893
Lieber Wilhelm. Mit der heutigen Post übersende ich dir eine
englische Zeitung, welche du vielleicht nicht lesen kannst, aber doch schon kennst, das man
mir soviel Achtung gab, um mein Bild darin erscheinen zu lassen, und um so mehr sehe ich darin
eine Achtung weil das Blatt die republikanischen Prinzipien verteidigt, welches meistens direkt
gegen meine demokratischen Prinzipien ist. Die kleine Biographie, welche das Blatt bringt, heißt
übersetzt ungefähr so: Clemens A. Hunck, Abgeordneter von der Grafschaft Benton, ist in Duelm
wohnhaft, und treibt ein Kaufmannsgeschäft. Er war einer der ersten Ansiedler der Grafschaft,
und arbeitet früh und spät zum besten seiner Umgegend. Seinen langen, fließenden Bart ist
mitunter Ursache gewesen, das er für ein Alliancemann gehalten wurde bei Freunde, und wurde er
öfters gefragt, ob er nicht ein Verwandter sei vom U.S. Senator Pfeffer (dieser hat auch solchen
Bart, und ist ein Alliance oder auch ein Populist) aber solche Anschmeichelung wiederlegt
niemand schneller, denn er selbst. Er hält fest an die Prinzipien welche niedergelegt wurden
bei Thomas Jefferson (lange her) und bei Grover Cleveland, und hat keine Zeit für die radikalen
Wünsche oder Verlangen der Alliance oder Populist Partei. Er ist mehr so ein kluger und
wohltuender Geschäftsmann, und macht einen exelenden Abgeordneten (Repräsentative). Das Bild in
der Zeitung ist gerade nicht so gut, als eine Photographie, werden als leichtfertig gemacht,
weil solche aber nur für gelegentlichen Gebrauch gemacht werden, ohne Bezahlung dafür zu
erhalten. Gestern hatten wir die Wahl für einen Vereinigten Staaten Senator, den der Staat
Minnesota dort in die Gesetzgebung schickt, und haben leider den Deutsch- und Katholikenfeind
C. K. Davis gewählt, oder besser gesagt, wieder gewählt, dessen Amtsdauer 6 Jahre sind. Er
bekam 85 Stimmen von 168 also nur eine Stimme hätte das Ding zu keiner Mehrheit gebracht, und
er würde geschlagen worden sein, bei der nächsten Abstimmung, die obwaltenden Verhältnisse
würden solches zu Wege gebracht haben. Wäre ein Weg gewesen, seine Wahl zu verhindern, so wäre
es geschehen, aber die Mehrheit gilt. Unser oder das untere Haus besteht aus 114 Mitglieder
oder Abgeordnete, und das obere Haus aus 54 Mitglieder oder Senatoren. Beide Häuser traten zu
dieser Wahl zusammen. Am 17ten wählte jedes Haus für sich selbst den Senator, und erhielt im
oberen Hause der Davis keine Mehrheit, und darum mußten beide Häuser gestern zusammen stimmen
und erhielten vorbesagtes Resultat. Hätte Davis eine Mehrheit bekommen in beide Häuser am 17ten,
so würde die Gesamtwahl ausgefallen sein. Minnesota stellt 2 Senatoren in die U.S. Gesetzgebung,
und muß über 2 Jahre wieder einer gewählt werden, und bekommen wir den wahrscheinlich einen
demokratischen. Die Besoldung in unserem oberen Hause ist gleich dem Unterhause $ 5,00. Das
Wetter ist hier ziemlich kalt mit Schneegestöber vermischt. Sonst nichts Neues für diesmal.
Es grüßt euch alle bestens,
Clemens A. Hünck
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