Duelm, Benton, Co. MN, den 8. Jan. 1892
Lieber Bruder, Schwägerin und Wilhelm Gerade war ich in South [Sauck ?] Rapids auf
meiner Reise, um meinen neuen Posten oder Amt anzutreten, als ich dort euren Brief nebst Bilder
erhielt. Wir bekommen die Post 3 Mal in der Woche, aber in S. R. alle Tage mehrmals, und wenn
ich da komme, kann ich auch dort meine Postsachen haben. Als ich von da mit der elektrischen
Straßenbahn nach St. Cloud fuhr, öffnete ich den Brief, doch ehe ich las, dachte ich das Paket
mit den Bildern nachzusehen, ob ich auch vielleicht ohne zu lesen dieselben kennen würde. O ja!
Zu gut kannte ich das Haus und die andere Wohnung hätte ich ja nicht gekannt ohne lesen, und
Tränen standen mir in die Augen. Nun, schön ist es, und wie viel kostet ein solches Grabmal wohl
bei euch? Das Haus ist mir alles klar, aber es scheint eine Hecke davor zu sein, die ich nicht
kenne, und auch weiß ich nicht, was da für ein Ding steht, das die ½ Scheunenansicht bedeckt.
Die Hecke hindert die richtige Ansicht des Hauses für einen der das nicht kennt, denn solche
glauben, es sei das Haus so niedrig, weil sie eben die Hecke für Boden halten. Die Bilder waren
sehr gut verpackt, aber ich habe sie noch eine Woche in der Tasche gehabt, da hat sich der
schwarze Rücken des einen, dem Bilde des Hauses in etwa mitgeteilt, und ist dadurch etwas
fleckig geworden, und wenn ihr noch eines übrig hättet, wäre es mir sehr lieb, und bitte um
Entschuldigung meiner Unvorsichtigkeit. Das Bild ist gut abgenommen und hätte der Künstler
H. K. ein wenig mehr Mühe auf die Platte verwenden sollen, damit nicht die weißen Flecken an
den Giebel und Dach, und sonstwo sich sehen ließen, denn die sind ja in Natura nicht dort. Wer
hat denn im unteren Schlafzimmer im Fenster gestanden, und warum habt ihr euch nicht vor dem
Hause irgendwo aufgepflanzt? Ich danke hiermit bestens dafür und auch ebenso die Bertha, auch
die war froh mit ihre Bilder. Unsere kleine Tochter heißt Augusta Clara und ist
Bernard Vörding (mein Schwager) und Dina Esselmann eine Tochter von Clemens Esselmann die
bei uns ist, Taufpaten gewesen. Auch Clemens Esselmann sein Sohn Hermann Esselmann ist bei uns
als Ladendiener und Bernard Ruhoff sein Sohn Heinrich [Ruhoff] als Ackerknecht.
Heinrich Potthoff (Placke) ist noch hier, er lebt zwar noch, aber er ist ganz lahm und
zitternd, er kann nicht aus dem Hause gehen, er ist sehr zu bedauern. August Bontrup ist noch
bei Schultebein, werde ihm von deinem Jagdglück in Kenntnis setzen, Unser Wilhelm schießt auch
schon gerne. Er möchte dir wohl ein Brief schreiben aber das deutsche geht noch schlecht bei
ihm und er hat auch keine rechte Lust dazu, und überhaupt lernt er auch nicht gerade vom besten
in der Schule. Er ist diesen Winter zu Hause, das lernen greift ihn ziemlich an und er ist ein
wenig schwach, mehr lang als Stark. Er geht hier in die Schule, aber da geht es leichter zu,
als in St. Cloud. Bertha ist in St.Cloud bei Freunden von uns, und geht dort in die Schule, die
lernt leichter als Wilhelm. Also am Montag den 2ten Jan. war, als ich die Reise antrat zu meinem
neuen Amte. Ich mußte am 3ten in St. Paul sein, wo die Legislatur um 12 Uhr mittags eröffnet
wurde, und nachdem alle den Eid der Treue geleistet, konnten wir zu Mittagessen gehen, dann
wurden nachher einige Bedienten erwählt und angestellt, als um 4 Uhr Feierabend angekündigt
wurde, um am nächsten Morgen 10 Uhr wieder zusammen zu treten. Es wurden einige Vorkehrungen
getroffen um Mittags 12 Uhr die Gouverneure von Minnesota zu empfangen, um das der alte sich
verabschiedete, und der neu erwählte eingesetzt, beide hielten Reden welches alles um 1 Uhr
beendet war, und unser Tagewerk auch. Donnerstag um 10 Uhr wieder versammelt, um das jeder
einen bestimmten Sitz bekam für die Dauer der Sitzung. Jeder hat einen weichen Sessel und ein
Schreibtisch. Nun wurde einige Gesetzvorlagen verlesen, besprochen und vorläufig bei Seite
gelegt, und bei 12 Uhr die Sitzung vertagt bis Montag den 9ten nachmittags um 4 Uhr, aber dann
wird es wohl feste drauf los gehen, mir ist das ja auch noch neu. Diese Gelegenheit nahm ich um
heim zu gehen, welches ich auch jeden Sonntag zu tun gedenke, denn wie ich höre, ist Samstags
und Montag vormittags keine Sitzung. St. Cloud ist ungefähr 75 Meilen von St.Paul. Diese Sitzung
darf nicht über 90 Tage dauern Sonntags eingeschlossen, und ist das Amt mit einer Dotation von
$ 5,00 per Tag verbunden einschließlich Sonntags. Es ist das hier nicht, das solche Leute bloß
mit der Ehre bezahlt werden wie bei euch, hier wird jedes Amt besoldet vom niedrigsten bis zum
höchsten. Auch habe ich jetzt freie Fahrt auf die Eisenbahnen im ganzen Staat Minnesota, aber
nicht außerhalb desselben. Auf unsere Kammer sind wir 114 Mann, oder Repräsentanten. Am Hotel
kostet es jeden Tag $ 2,00 da hat man es aber auch sein Essen. Was das [unleserlich, Herz ?]
angeht, und mit einem Dampf-Elevator Erheber [Aufzug] fährt man in die oberen Stockwerke zu die
Schlafgemächer. Wenn da die Leute bei euch meinen, das dieses Amt von wenig Bedeutung sei, so
irren sich diese gewaltig. Als ich Abgeordneten telegrafierte, dachte ich, das dieses
[unleserlich] alles in sich hätte, denn von 2 Sorten Abgeordneten oder Vertrauensmänner bei
euch wüßte ich nicht, was ist denn bei euch ein Vertrauensmann? Was den Deutschenhasser Davis
angeht, wird er wohl wieder gewählt werden, denn einen republikanischen Gegner hat er nicht,
und wir Demokraten sind unserer leider zu wenig, um einen solchen zu erwählen, wie doch immer,
meine Stimme wird er nicht bekommen. Dieser bemüht sich um das Amt eines Senators in die
Vereinigten Staaten. Gesetzgebung in Washington, wo jeder Staat Senatoren und Kongreßmänner
hinschickt. Auch wir haben über 50 Senatoren in unserem Staat in der Gesetzgebung, welche
allein verhandeln und in manchen Fällen mit uns stimmen, auch für den erwähnten Senator. Habe
auch 2 Kalender geschickt. Einer hat die größten Gebäude der Weltausstellung abgedruckt. Wenn
ich Zeit habe schreibe ich in einigen Tagen mal aus St. Paul. Mit Gruß an euch alle und alle die
nach mir fragen.
Clemens & Frau und Kinder
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