Duelm, Benton Co. MN, den 4. Feb. 1887
 
 
Lieber Bruder, Schwägerin und Neffe!

Eure beiden Briefe haben wir in der besten Gesundheit erhalten und lese, daß auch ihr noch gesund seid. Ich habe das Schreiben diesmal ziemlich lange bewenden lassen, ich hatte sehr viel zu tun bei den Feiertagen und nach dem mit dem jährlichen Rechnungen abzuschließen. Liebe Franziska, ich habe mich so recht gefreut über deinen Brief, und zudem doch mit Trauer, Wehmut und Mitleid gelesen, ja er hat mir und meiner Frau beide die Tränen aus den Augen gepreßt. Wie er doch noch so wohl und munter war hier bei uns, auch meine Frau hatte ihn recht bald sehr lieb gewonnen, und schon jetzt müssen wir ihn unter die Toten zählen, und hat er so vieles zu leiden gehabt, aber es war ja Gottes Wille, und der heilige Apostel sagt, es ist besser hier leiden als dort. Das ihr eure liebe Last, und manchmal Undank für eure guten Absichten mit ihm gehabt habt, kann ich mir leicht denken. Auch meine Frau weiß etwas davon, wie ungeduldig er war, wenn er krank sei, denn auch hier war er ein bis 2 Tage im Bettwagen Erkältung, da hat sie schon gesagt, sie wollte diejenigen bedauern, welche ihn pflegen müßten in einer ernsten Krankheit, und mehrere male sagte sie, als wir hörten, daß er krank sei, was du möchtest, deine liebe Last und Mühe mit ihm haben. Nun es war das einmal seine Natur, und freuet es mich zu sehen, daß er die letzte Zeit ganz anders geworden. Gott wird eure Leiden lohnen. Er gebe ihm die ewige Ruhe. Du schreibst, daß du hättest zum Gerichte müssen, was hat es denn dort gegeben? Er hat gewiß nicht ein Testament gemacht, aber ihr werdet doch deshalb wohl keine besondere Unannehmlichkeit haben werden. Lieber Wilhelm! Auch deinen Brief habe ich Neujahr erhalten, worin du mir so recht alle Verhältnisse mitgeteilt hast. Es freut mich, daß auch ihr eine reichliche Ernte gehabt habt. Auch sehe ich, daß ihr viele und große Pferde habt und die Kühe und Kälber, und leider eine Kuh krepiert ist, und wie es sonst da bei den Leuten so zugeht, man sollte meinen es sei nicht möglich, aber es ist schlimm. Hat der eine noch die 20 Taler nicht zurück bezahlt? Du schreibst von H. Bickschlüter. Sage du Mutter und Hinschen ? nur, daß es ihm recht gut gehe, sie sollten nur recht ruhig schlafen wegen Heinrich. Denn das tut Heinrich auch, das einige notwendige, was ihm jetzt fehlt, ist eine gute Frau, die seine Einsamkeit mit ihm teilen wollte, um solche für ihn passende sind hier nicht so viele, denn von den hiesigen Deutschen hat keiner noch eine für ihn, jedoch jeder Topf findet seinen Deckel, und so wird er hier auch vielleicht bald eine finden. Heinrich hat vor kurzer Zeit ein Brief nach Hause geschrieben. Heinrich Schultebein hat sich auch vor 4 Wochen 160 Acker Grund gekauft, oder ich habe es vor ihm gekauft, denn er konnte mit den Leuten nicht sprechen, und ich habe zugesehen, das der Besitztitel zu dem Land gut war, oder ob sonst noch Schulden darauf lasteten. Ich denke er hat guten Boden bekommen, aber augenblicklich ist alles mit Schnee bedeckt und auf manchen Stellen recht tief. Auch den Gruß von Herrn Lehrer habe ich dankend gelesen, und erwidere denselben hiermit aufs freundlichste. Wißt ihr nicht vielleicht jemand der bald hier nach America kommen will, ich könnte wohl wieder ein Anzug und einige Hosen und Westen gebrauchen. Wie gewöhnlich, schicke ich auch jetzt wieder einige Kalender, welche hoffentlich von Interesse sein werden. Wie geht es mit dem Waisenfreund, wenn er euch noch von Interesse ist, so wird er noch weiter sein regelmäßiges Erscheinen machen. Du fragst wegen die Toten-Bilder, die habe ich alle in dem Anzeiger erhalten und verteilt. Eins habe ich zurück geschickt nach Köln, zu meinem Freund Mathias Driessen [unleserlich] 2 Wochen Brief von ihm erhalten, worin er seine tiefe Teilnahme für uns und euch, und besonders der Mutter schildert. Grüßt Austermann nur von mir, und besonders von meiner Frau, und saget ihm nur zu ihrem größten Bedauern läßt sie ihn sagen, daß der schöne Singvogel verendet ist und es tut ihr sehr leid, er hat immer so lustig gesungen. Besondere und weitere Neuigkeiten habe ich für heute nicht, somit will ich hiermit schließen unter vielen Grüßen, besonders an euch alle, und alle Verwandte und Bekannte und alle die nach mir fragen.

C. A. Hünck und Frau

Schreibt bitte bald wieder. Die Bücher mit Verpackung wiegen genau ½ lb. Es sind solche die ich zum verteilen habe. Die Bilderbücher habe ich beinahe 100 bekommen von meiner Versicherungs-Compagnie. Die einzige Absicht dabei ist, bei allen ihr Geschäft zu verbreiten und zu vermehren.

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Last modified: April 19, 2005
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