Duelm, Benton Co. MN, den? Dez.1876
Liebe Brüder und Schwägerin! Endlich nach langem Zögern ergreife ich die
Feder, um eure beiden letzten Briefe zu beantworten. Fürs erste bin ich noch recht gesund und
hoffe, daß auch euch allen dieser Brief in der besten Gesundheit antreffen wird. Ihr habet
jedenfalls gedacht, daß ich böse war wegen Gertrud [Roths], aber dem ist nicht so, wenn sie
keine Lust hatte, so laß sie ruhig da bleiben. hier sind auch genug zu haben, grüßet sie von
mir und saget ihr nur, sie sollte sich fleißig üben im fahren mit den Kühen, und auch
hauptsächlich, daß sie den richtigen Kuhweg kriegt [ ... ] Spuhlen [auf dem Spinnrad] zu
drehen, und wünsche ich ihr ein recht langes und ein gesundes Leben mit ihren lieben Roths bei
Hiddingsel. [ ... ] langen Stillschweigens ist, daß ich immer noch nicht so recht wußte, über
was ich schreiben sollte, weil ich immer noch nicht einig war mit mir selber was ich anfangen
sollte. Ich habe jetzt einen Laden angelegt, ungefähr eine ½ Stunde von [Hermann] Winkelmann
[* Dülmen 8.2.1845 / 1880ausgew.] , es ist der Anfang zu einem Dorf, es sind jetzt ein paar
Häuser da, und eine katholische Kirche und ein Pfarrhaus. Der Ort heißt Duelm, den Namen haben
ihm [Hermann] Winkelmann und Wilhelm Schulze Emting, welche hier ziemlich zuerst gewohnt haben,
gegeben. Wilhelm Schulze Emting [* Dülmen 12.1.1812 / 1847 ausgew.] ist früher mit
Joseph Edelbrock [* Dülmen 23.3.1826 / 1847ausgew.] zusammen nach Amerika gegangen, und
ist noch nicht reich geworden hier. Erst war ich willens eine Farm zu nehmen, denn es liegt
ein sehr schönes Stück Land an Hermann Winkelmann seine Farm, 80 Acker groß; als ich mich aber
darnach erkundigte, gewahrte ich, daß es diesen Herbst noch nicht verkauft werden konnte, und
somit war diese Hoffnung hin, Es liegt noch genug gutes Land dort, habe aber keins genommen.
Nun hat hier diesen Sommer jemand ein Haus gebaut, um einen Laden darin anzufangen, wie er aber
das Haus fertig hatte, war das Geld alle und konnte nicht weiter kommen, das habe ich nun
gekauft, etwas später, als ich von euch die beiden Briefe erhielt, für $ 475. Ich wohne jetzt
seit Montag den 4ten dieses Monats 1876 hier, jetzt bin ich auch so weit, daß mein Schornstein
dampft, jetzt könnt ihr mich mal besehen kommen, ich werde all mein möglichstes tun, euch
aufzuwarten. Verheiratet bin ich noch nicht, ich wohne ganz allein im Hause, und kochen tue ich
selber, und das habe ich so eingerichtet, daß ich immer eine Abwechselung habe, den einen Tag
koche ich Sauerkraut und Kartoffeln, den anderen Tag Kartoffeln und Sauerkraut? Wenn ihr bei
euch noch welche habet, die sich sehr heiratsnötig fühlen, so schicket mir nur ein ½ Dutzend,
so will ich mir die beste aussuchen. Die übrigen schicke ich zurück. Nur das behalte ich mir
vor, sollte mir keine gefallen, so schicke ich sie alle zurück. Ich habe meine Waren in Saint
Paul Minnesota gekauft, welches ungefähr 100 englische Meilen von hier liegt, am Wege von hier
nach Newburg Wis., wo ich früher war. Newburg ist von St.Paul 400 Meilen, ungefähr 3 Meilen zu
der Stunde gerechnet. Ich habe Ellenwaren und Spezereiwaren und auch Schenkwirtschaft dabei.
Ich lade euch ein auf nächsten Sonntag, da wollte ich eine freie Zeche geben für den Anfang,
doch ist kein Tanz dabei, bloß Bier und Schnaps gibt es, den auch hier wissen wir, daß ein
Advent ist.
Nun müßt ihr nicht denken, daß ich gleich ein
gemachter Kaufmann bin, wie man wohl zu sagen pflegt, oder gleich ein reicher Mann bin, denn
aller Anfang ist schwer, ich treibe das Geschäft erst noch im kleinen um es allmählich zu
vergrößern, denn gleich so viel Schulden machen tue ich nicht, doch hoffe ich, daß es mir recht
gut damit gehen wird, wenn mir kein besonderes Unglück begegnet, und dabei denke ich oft daran,
wie mir Dörgens gesagt hat als ich fort ging, ich müßte in America nur was riskieren.
Nun will ich euch auch mitteilen wie es mit meiner
Heiratsgeschichte steht, so viel ich noch selber weiß. Erst als ich diesen Platz kaufte, habe
ich gleich nach Wis. geschrieben an Bernard Esselmann seine Stieftochter wegen heiraten, ich
war dann willens hin zu reisen um dort zu heiraten und dann auf dem Rückwege in St. Paul meine
Waren einzukaufen, ich wußte ihre Eltern hätten schon immer früher gerne gesehen, das ich sie
geheiratet hätte und auch das Mädchen gewiß, hatte jedoch keine besondere Bekanntschaft mit ihr
gehabt, weil ich immer noch nicht wußte, wie es mit Gertrud [Roths] ging, und wußte auch
überhaupt noch nicht wohin mit einer Frau. Ich erhielt zur Antwort, es wäre ihr ein wenig weit,
aber doch wenn ich dächte, daß es ein guter Platz sei um sein Fortkommen da zu finden, so hätte
sie nichts dagegen, nur möchte sie etwas Zeit haben, um ihre Kleider in Ordnung zu bringen. Ich
schrieb zurück, ich wollte 14 Tage länger warten, nämlich bis die letzte Woche vor Advent, und
schrieb dabei, wenn sie dächte, das es ihr zu weit wäre, oder sonst keine Lust hätte, so sollte
sie sich jetzt bedenken, indem es noch nicht zu spät sei, und ich erhielt zur Antwort, es sei
ihr zu weit von Hause weg und ich möchte mich nur um eine andere bekümmern, also war ich da
fertig und das ist auch noch alles was ich darum gab. Ich ging die andern Tage gleich zu einer
andern, das ist eine ziemlich reiche, wie ich höre, soll sie beinahe $ 1000 haben (gewöhnlich
haben die Mädchen hier kein Geld, wer heiraten will kriegt weiter nichts als das Mädchen, und
dann muß er sehen, daß er fertig wird) Ob ich diese nun noch kriege, weiß ich heute selbst noch
nicht. Nun zurück zu Esselmann. Drei Tage nachher erhielt ich schon wieder 2 Briefe, daß ich
doch kommen sollte, ich sollte doch nicht böse sein, sie hätte einen Fehler gemacht und gab
sich schuldig. In diesen Briefen kam mir das Mädchen aber ein wenig mit Lügen vor, denn ich
wußte daß es nicht so sein konnte, wie sie schrieb, die waren nicht fein genug erdacht. Den
einen Brief hatte das Mädchen allein geschrieben, den andern hatte das Mädchen und
Gertrud Esselmann geb. Hünck zusammen geschrieben. Gert[rud] [Esselmann] hätte gern
gesehen, das es wieder in Ordnung gekommen wäre und dachte, vielleicht mir einen Gefallen
damit zu tun, weil sie sicher meinte, daß ich mich darüber grämen täte, aber dem war nicht so,
aber wie mir das Mädchen über 3 Tage gleich wieder so einfältig vorkam, da wurde ich böse,
dann sollte sie sich eher recht bedacht haben, bevor sie es mir schrieb. Ich schrieb
Gertrud [Esselmann] zurück: Vorher getan hernach bedacht, hat manchem schon groß Leid
gebracht, und ich hätte mich schon bereits nach einer andern umgesehen, und ich ließe sie
grüßen und sie sollte so eine Dummheit nicht gemacht haben, ich könnte ihr nicht helfen, den
wenn sie nicht besser wüßte, ob sie mich wollte, so täte ich es für besser halten, daß wir
nicht zusammen kämen. Jetzt weiß ich, hat sie einen heiden [großen Ärger] Specktakel im Haus,
sie hat mir letzte Woche noch mal wieder geschrieben, ich sollte doch kommen und sie holen, sie
wollte meine liebe Frau Gemahlin werden, ich sollte doch ihr nicht die Schmach antun, die sie
mir angetan hätte, sie täte ganze Nächte weinen, so daß das Bett oft ganz naß sei, sie sei
schon zum Bahnhof gewesen mich abzuholen, und ich sei nicht gekommen. O, komme doch, O komme
doch, alle Leute wissen, daß du kommen wolltest und jetzt kommst du nicht, wenn du nicht
kommst, soll mich auch kein anderer haben, O komme doch, ich kann s nicht mehr aushalten, und
wie es nicht noch sonst alle heißen mag. Darauf habe ich ihr nun wieder geschrieben, ich könnte
nicht mehr kommen, sie holen, weil ich meine Waren im Laden hätte, könnte ich nicht mehr fort,
verheiratet sei ich noch nicht, und übrigens könnte ich nicht sagen, was Gott denn tun würde.
Auch Clemens Hesker [* Dülmen ] lebt noch, ich
habe ihn gesehen und gesprochen, wie ich in St.Paul war. Ich hatte hier ausgefunden, daß er in
St. Paul sei, und habe ich ihn aufgesucht. Ich habe ihn gleich gekannt, aber er kannte mich
nicht, noch nicht einmal, als ich ihm sagte, wer ich sei. Er ist noch ledig und dient in
St. Paul im Wirtshaus als Stallknecht. Das erste, was er mir sagte war, er hätte noch nie nach
Deutschland geschrieben, und täte es auch nicht, er hat mich nicht gefragt, wie es zu Hause
ginge, weder nach seinen Geschwistern, bis ich es ihm endlich von selbst erzählt habe, und
wenn ich ihm sagte, wie sich dieses oder jenes zugetragen hätte, seitdem er fort war, so mußte
er immer lachen, und sonst schien mir, als ob ihm gar nichts daran gelegen war, ich habe mich
nicht sehr erfreulich mit ihm unterhalten können. Ich fragte ihn, was er den eigentlich
anfangen wollte, es sei doch für ihn auch bald Zeit, da sagte er, er wüßte es jetzt noch nicht,
und ich denke, wenn er es jetzt noch nicht weiß, wird er es auch schwerlich mehr gewahr werden.
Ich war drei Tage in St. Paul, und habe ihn zu 4 Zeiten besucht. Die Briefe, welche ihm sein
Bruder Heinrich [Hesker] geschrieben hat, hat er richtig erhalten, da ist er bei Winkelmann
gewesen. Er kommt mir jetzt noch komischer vor wie früher, oder ich habe ihn früher nicht so
genau gekannt. Grüßet von mir die Familie Hesker und Schultebein, und lasset ihr wissen, wie es
mit Clemens [Hesker] steht.
Lieber Bruder: Du wolltest gerne die Viehpreise
von hier wissen, Eine Kuh kostet 25-30 Dollar, und so tragende Rinder werden hier wenig
verkauft, eher werden Rinder fett gemacht, und an die Butcher [Metzger] verkauft, das lb.
5-6 Cent. Wer eine Kuh auf dem Markt verkaufen will, so ist hier die Mode, das Kalb mit zu
bringen, und wer ein Kalb fett machen will, das ist hier nicht viel Mühe, der läßt es einfach
an der Kuh saugen. Die Pferde sind teurer und werden gewöhnlich 2 und 2 oder besser gesagt
Spannweise verkauft, und kostet ein gutes Team oder Spann $ 350 bis $ 400 und darüber. Das Esq.
auf der Adresse bedeutet nichts weiter als Wohlgeboren. es ist ein englisches Wort, und wird so
geschrieben Esquire und so ausgesprochen Js,queier. Mr. heißt so viel als Herrn und wird
geschrieben so: Master (sprich Mister). Ich habe auch meinen Namen jetzt gewechselt, und
schreibe von jetzt ab Clemens Hünck, denn ich halte es für Recht, seines Vaters Namen zu
führen, den Diekämper ist ja gar nicht unser Name, das ist nur so eine alte dumme deutsche
Mode. Auch muß ich euch mitteilen, daß wir seit dem 21 v. Mts. Schnee haben, und daß es jetzt
ziemlich kalt ist. Auch habe ich euch noch nicht mitgeteilt, daß ich seit einem Jahr ziemlich
Glück gehabt habe in Verlosungen. In Wisconsin habe ich 3 große Landkarten gewonnen, eine
Ziehharmonika, ½ Duz. Teelöffel, eine feine Tasse, 3 paar Ohrringe und Vorstecknadeln, ein
englisches Unterrichtsbuch, ungefähr die Größe wie das große Lesebuch, und ein Vergrößerungsglas
was Photographien vergrößert, und jetzt ist hier eine Verlosung gewesen von mehreren Sachen zum
besten unserer hiesigen Kirche, und ich habe eine schöne Bettdecke ungefähr $ 6-7 Werth, ein
großer Mannsschal, ein Damenhut, und eine Fioline gewonnen, jetzt habe ich Musikinstrumente
genug, wenn ich nur spielen könnte.
Jetzt muß ich zum Schlusse übergehen. Edelbrock
läßt seinen Bruder grüßen, ich wohne 12 Meilen von ihm, ich komme oft bei ihm, denn ich muß
meine Waren von St. Cloud von der Eisenbahn holen. Auch Gerhard Heinrich Winkelmann mit seine
Frau und Tochter sind noch recht gesund, und lassen euch wie auch seine Verwandten bestens
grüßen. Grüßt von mir alle meine Verwandten und Bekannten, und fragt Marschall, Specht, und
Bünger, ob Ihnen meine Photographie die ich Ihnen geschickt habe, nicht so viel wert sei, daß
sie mich darauf antworten, dann laß sie mir doch selbige wieder schicken, ich will wohl das
Porto bezahlen, ob mich Struffert wieder geschrieben haben, ich weiß nicht, ich glaube auch
nicht. Ich habe überhaupt schon so vielen Briefe geschrieben, die nicht wieder schreiben, ich
werde jetzt besser nirgends mehr hin schreiben als nach zu Hause, denn von euch erhalte ich
doch noch regelmäßige Antwort auf meine Briefe. Für diesmal müßt ihr mein langes Stillschweigen
entschuldigen, weil ich einigermaßen Gründe hatte, und jetzt habt ihr auch wohl so viel wie
zwei ordentliche Briefe. Schreibt mir bitte recht bald wieder, und so viel Neues, wie ich euch
jetzt geschrieben habe, oder will Bernard vielleicht nächsten Frühjahr kommen, und mir alles
mündlich erzählen, Ich denke er täte sehr klug, wenn er hierher käme, denn hier kann er mit
seinem Geld was er hat, ein Bauer werden, und bei euch einer zu werden, wird wohl schwer
halten. Nach Wis. habe ich ihn niemals geraten, denn da war auch das Land zu teuer, aber hier
ist es billig, Hier bei mir oder Winkelmann kannst du noch Land genug kaufen, und billig, und
da ich hier jetzt wohne, tätest du auch gleich eine gute Aufnahme finden.
Grüßet Schwaag von mir, ich würde ihn
gelegentlich schreiben, ich habe jetzt noch zu viel zu tun, das ich alles in Ordnung bringe.
Jetzt muß ich mir noch ein Gläschen Bier trinken, und dann ist es Zeit ins Bett zu gehen.
Es grüßt euch allen recht bestens euer Bruder und
Schwager
Clemens Hünck.
Liebe Franziska; wie geht es dir denn und dem
kleinen Wilhelm, von euch höre ich ja fast nichts. Meine Adresse ist
Clemens Hünck Esq.
Duelm Minn.
Benton Co. N. America
If we do not see us again in tis World, we will see us again in Havven. Dies ist bloß englisch und gehört nicht auf der Adresse.) wenn ihr es nicht lesen könnet müßt ihr es raten. |
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